Auswanderer vorgestellt

Eine Auszeit auf Teneriffa

Auswandern auf Zeit nach Teneriffa

¡Beamtentum Adiós! ¡Hola Teneriffa! Yamuna war verbeamtete Lehrerin in München, als sie ihren sicheren Job kündigte und nach Teneriffa zog. Ein Jahr verbrachte die 38-jährige Grundschullehrerin auf Teneriffa und machte eine wertvolle Erfahrung.

Wie kam es dazu, dass du ein Jahr auf Teneriffa verbracht hast?

Ich wollte raus aus dem „Goldenen Käfig“ – so fühlte sich das Beamtentum damals für mich an. Ich liebte meinen Job als Lehrerin. Wo und wie ich arbeiten möchte, konnte ich jedoch nicht selbst entscheiden. Ich fühlte mich durch meine Beamtenstelle in München gefangen. Mein Freund Thomas lebte bereits auf Teneriffa und die Fernbeziehung auf eine solche Distanz war sehr kräfteraubend. Mich aber tatsächlich vom Beamtenstatus zu lösen, war nicht einfach. Ein Jahr trug ich den Gedanken mit mir rum, bis ich in München eines Tages die Eingebung hatte „Jetzt tu es endlich“. Dann habe ich gekündigt und bin in den Flieger gestiegen.

Wie war die Anfangszeit auf Teneriffa für dich?

Es war ein Wandel von Hundert auf Null. Acht Jahre habe ich als Lehrerin gearbeitet und kaum Zeit für meine Hobbys gehabt. Auf einmal war ich auf Teneriffa und hatte unendlich viel Zeit. Aber: Was mach ich jetzt hier? Keine Aufgabe zu haben, war schwierig für mich. Ich konnte kein Spanisch und es war das erste Mal, dass ich ins Ausland gegangen bin.

Dann fing ich an, meine Leidenschaften wieder aufleben zu lassen: Ich malte, machte Schmuck und praktizierte Yoga. Ich konnte nun all das ausleben, wofür ich in Deutschland keine Zeit hatte.

Eine Auszeit auf Teneriffa: Auswandern auf Zeit nach Teneriffa

 

Womit hast du während des Jahres deinen Lebensunterhalt finanziert?

Mein Plan war an der deutschen Schule auf Teneriffa als Lehrerin zu arbeiten. Leider habe ich dort keine Stelle bekommen. Mich selbstständig zu machen und Yoga-Unterricht anzubieten, war mein Plan B. Die spanische Bürokratie schreckte mich ab. Sich selbstständig zu machen ist für jemand Unerfahrenes nicht so einfach. Ich hätte da einen Couch gebraucht. Beruflich habe ich in dem Jahr nicht wirklich Fuß fassen können. Daher musste ich Teneriffa nach einem Jahr Auszeit wieder verlassen und arbeite nun wieder in Deutschland an einer Montessorischule.

Hast du es bereut, deinen sicheren Job gekündigt zu haben?

Nein, ich bin froh über meinen Mut. Wenn ich ans Finanzielle und meine Altersversorge denke, bekomme ich schon etwas kalte Füße. Da hätte ich als Beamtin viele Vorzüge gehabt.

Aber das Jahr auf Teneriffa war sehr wertvoll. Ich konnte meine Kreativität ausleben und neue Facetten an mir entdecken. Es war schön, so viel Zeit mit Kunst und Spiritualität verbringen zu können. Ich habe Schmuck und Ketten gemacht, eine Webseite und einen Shop auf Etsy erstellt. Jetzt trägt meine Arbeit Früchte; mein Schmuck verkauft sich immer besser.

Was hast du auf Teneriffa vermisst?

Das Unterrichten und die Kinder haben mir gefehlt. Denn plötzliche war meine Berufung weg. Auch meine Familie habe ich vermisst und tatsächlich die Jahreszeiten. Den Geruch von Frühling und  Herbst gibt es auf Teneriffa so nicht.

Was war anders an deinem Leben auf Teneriffa (als in Deutschland)?

Ich war viel freier, da ich mehr Zeit hatte. Aber Teneriffa wurde zu meiner Heimat. Es stellte sich auch hier der Alltag ein.

Wie hast du Kontakte geknüpft?

Da mein Freund Thomas, der als Astrophysiker beim Max-Planck-Institut tätig ist, schon länger auf Teneriffa lebt und viele Leute kennt, fiel mir das Kontakte knüpfen leicht. Außerdem haben mir soziale Netzwerke geholfen, Menschen mit ähnlichen Interessen zu finden. Das Kontakte knüpfen auf Teneriffa ist wirklich nicht schwer. Teneriffa ist eine Einwanderungsinsel; man kommt schnell mit Aussteigern und Auswanderern in Kontakt. Teneriffa ist ein kultureller Meltingpot mit vielen offenen Menschen.

Was schätzt du an Teneriffa besonders?

Die Natur, die Sonne und das Meer. Faszinierend finde ich die Variationen: Nicht nur wie unterschiedlich Teneriffa ist, sondern auch jede Insel hat ihren eigenen Spirit.

Die Einheimischen machen für mich Teneriffa besonders. Sie sind extrem positiv, offen und freundlich.

Was sind deine Lieblingsorte auf Teneriffa?

Ich mag Taganana und das Anaga-Gebiet sehr. Auch in der Studentenstadt La Laguna bin ich gern, weil sie mich mit den Gassen und bunten Häusern an meine Heimat Regensburg erinnert. Puerto de la Cruz und El Médano gefallen mir auch.

Wie sind deine Zukunftspläne: Wirst du zurück auf die Insel kommen?

Da ich auf Teneriffa momentan keine Chance sehe, Geld zu verdienen, bleibe ich vorerst in Deutschland. Ich möchte meinem Beruf als Grundschullehrerin nochmal eine Chance geben. Aber das Fernweh nach Teneriffa ist oft präsent.

Auszeit auf Teneriffa: Auswanderin auf Zeit

Meine Vision ist es, irgendwann eine eigene Schule zu gründen – am liebsten auf Teneriffa. Dafür sammle ich gerade Erfahrungen.

Hast du einen Rat für Auswanderer?

Eine Auslandserfahrung zu machen lohnt sich immer  – egal wie sie ausgeht. Es ist eine wichtige Lebenserfahrung und Persönlichkeitsentwicklung. Wer einmal im Ausland gelebt hat, bekommt einen anderen Blickwinkel. Man wird reifer und offener.

Meine Empfehlung: Lerne vorher die Landessprache! Falls du noch kein Spanisch sprichst, mache direkt zu Beginn einen Intensiv-Sprachkurs und suche den Kontakt zu Einheimischen.

Ohne finanzielle Rücklagen wird es schwierig. Bestenfalls kommt man mit einem Job auf die Insel oder man hat bereits Pläne, wie man Geld verdienen wird.

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