Auswanderer vorgestellt

Die Gründerin vom Pura Vida Atemzentrum

Auswanderin vorgestellt: Silke von Pura Vida lebt seit über 20 Jahren auf den Kanaren.

Silke Modersohn lebt seit über 20 Jahren auf den Kanaren und berichtet über ihre Erfahrungen als Auswanderin.Mit drei Kindern und ihrem ehemaligen Mann ist Silke vor 23 Jahren nach La Gomera ausgewandert. Zwölf Jahre später zog die gebürtige Münchenerin nach Teneriffa, wo sie heute Pura Vida Tenerife, ein therapeutisches Atemzentrum direkt am Meer, betreibt. Im Interview berichtet die 55-Jährige warum sie damals ausgewandert ist und was das Leben auf Teneriffa für sie ausmacht. 

Liebe Silke, wie kam es dazu, dass du ausgewandert bist?

Mein damaliger Mann und ich haben bei München einen Bio-Hof betrieben. Als das dritte Kind kam, wollte ich weniger arbeiten und mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Während eines Urlaubs auf La Gomera entstand die Idee auszuwandern. Die Insel hat mich total begeistert und für mich war klar: Hier will ich mit meiner Familie leben. Kurze Zeit später machte ich mit meiner fünfköpfigen Familie auf La Gomera Urlaub. Wir fanden ein altes Haus, das mein damaliger Mann kaufte. Keine drei Monate später strandeten wir mit Sack und Pack auf der Insel.

Durch den Verkauf unseres Bio-Hofs in Deutschland hatten wir ein gutes Startkapital, von dem wir die erste Zeit leben konnten. Da das Haus nicht direkt bewohnbar war, lebten wir eine Zeit lang zu fünft in einem großen Zelt. So einfach und eng zusammenzuwohnen war eine ganz besondere Zeit. Nebenbei haben wir das Haus aufgebaut.

Was war deine größte Herausforderung beim Auswandern?

Definitiv die Sprache und die Kinder zu versetzen. Wobei ich mir damals glücklicherweise gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht habe. Aber die Anpassung in La Gomera war das schwierigste. Man ist immer der Ausländer. Das Gefühl, nie so richtig dazu zu gehören, hatte ich auf La Gomera lange.

Konntest du Spanisch bevor du ausgewandert bist?

Ich konnte kein Wort Spanisch als ich mit meiner Familie nach La Gomera gezogen bin. Meine Kinder sind dort in die Schule gegangen und haben rasend schnell angefangen Spanisch zu reden – auch mit mir. So habe ich Spanisch reden müssen – durch pure Praxis. Ich habe ungefähr zwei Jahre gebraucht bis ich meine wahnsinnig schnell sprechende Nachbarin wirklich verstehen konnte.

Wieso bist du von La Gomera nach Teneriffa gezogen?

Aus beruflichen und privaten Gründen. Mein jüngster Sohn sollte auf die deutsche Schule in Tabaiba gehen und ich hatte mich nach der Trennung mit meinem Mann in Jemanden auf Teneriffa verliebt. Zuerst bin ich mit meinen zwei Kindern, der Älteste war schon aus dem Haus, nach Tabaiba gezogen. Dort hatten wir eine schöne Wohnung mit Meerblick.

Wie finanzierst du dein Leben auf Teneriffa?

Ich habe in den Jahren viele verschiedene Jobs gehabt. Auf La Gomera  habe ich als Deutschlehrerin, Übersetzerin, Rezeptionistin und später Hotel-Direktorin gearbeitet. Auf Teneriffa hatte ich dann meinen ersten Büro-Job in einer deutschen Firma. Das Arbeiten am PC hat mir wenig Spaß gemacht, daher kündigte ich und begann eine Ausbildung zur Atemtherapeutin. 2009 wagte ich dann den Schritt in die Selbstständigkeit als Therapeutin. Ein Jahr später gründete ich das Pura Vida Atemzentrum. Heute kann ich von den Einnahmen und der Vermietung von Zimmern im Haus leben.

  • Pura Vida Atemzentrum auf Teneriffa von Auswanderin Silke

War es schwer sich auf Teneriffa selbstständig zu machen?

Ich hatte Glück, was ich jedoch nicht sofort erkannte. Mein Vater wollte, dass ich mein Erbe abtrete. Ein riesiger Schock für mich. Doch er bot mir im Gegenzug an, 1.300€ monatlich auszuzahlen. Mit diesem Geld konnte ich mir die Miete des Atemzentrums leisten und musste mit meiner Selbstständigkeit nicht sofort irre viel Geld verdienen. Ich konnte die Sache entspannt angehen und in Ruhe das Zentrum aufbauen. Das war der größte Segen für mich und hat mich gelehrt:

Die Dinge, vor denen wir am meisten Angst haben, sind oftmals der größte Segen für uns.  

Von daher habe ich eine gewisse Ruhe. Auch als Selbstständige habe ich ein relativ entspanntes Leben. Ich liebe meine Arbeit. Alles, was ich selber an mir gelernt und verändert habe, kann ich heute in den Atemtherapien an andere Menschen weitergeben.Die selbstständige Atemtherapeutin geht am liebsten jeden Tag im Meer baden seitdem sie auf Teneriffa lebt.

Was genau ist eine Atemtherapie?

Bei der Atemtherapie stehen zwei Dinge im Fokus: Die Atmung und das Unterbewusstsein. Denn 90 Prozent unserer Gedanken finden im Unterbewusstsein statt. Alles, was wir in unserem Leben gehört haben, alle emotionale Erlebnisse, werden in unserem Unterbewusstsein festgehalten. Diese gespeicherten Dinge werden im Alltag aktiviert. Ein Beispiel: Plötzlich sagt Jemand etwas zu dir und du reagierst in einer Art und Weise, die gar nicht angebracht ist. Das ist so ein Moment, in dem eine Erinnerung in dir schlagartig hochkommt. Das Problem sind die vielen ungelösten Geschichten in uns, die sich immer wieder aktivieren und oft mit Aggressionen beantwortet werden. Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir die Probleme lösen und das Thema ist erledigt. Wenn nicht, dann kommt das immer wieder hoch. Erst wenn jeder mit sich selbst Frieden schließt, seine Verletzungen und Alles, was nicht so gut gelaufen ist in der Kindheit, heilen kann, dann ist Frieden. Ich möchte Frieden im Leben haben. Das ist auch etwas, was die Welt braucht.

Daher spreche ich zunächst mit dem Klienten. Im Zentrum stehen die Fragen, weshalb die Person zur Atemtherapie kommt. Wenn die Probleme an die Oberfläche geholt wurden, folgen die Atemübungen. Die negativen Gefühle werden durch die Atmung physisch aus dem Körper gelöst. Denn die Erinnerungen sitzen auch im physischen Körper. Sie äußern sich in Form von Verspannungen und anderen Problemen. Durch gezielte Atemübungen werden all diese Dinge gelöst. In der Regel bedarf es zehn Sitzungen, bis der Klient später Atemsitzungen mit sich selbst machen kann.

Was macht Teneriffa für dich zu einem lebenswerten Ort?

Das Meer, die Berge, die Natur. Wobei das Meer für mich wohl der wichtigste Punkt ist. Auf meiner Australien-Reise habe ich gemerkt, dass ich mich immer entlang des Meeres bewegt habe. Wenn ich nicht in der Nähe vom Meer war, fehlte mir was. Wo ich jetzt lebe ist das Meer so nah – ich versuche jeden Tag baden zu gehen. Ich liebe es, das Meer zu beobachten. Manchmal ist es ganz ruhig, manchmal total aufgewühlt. So sind wir auch – das ist eben die Natur.

Und ich mag die spanische Lebensweise. Ich merke immer wieder, wenn ich mit Deutschen Therapien mache, dass sie viel gestresster und verspannter sind. In Deutschland herrscht einfach viel mehr Leistungsdruck. Auf Teneriffa ist Alles deutlich entspannter. Und im Vergleich zu La Gomera sind die Menschen hier viel offener. Es gibt mehr Zugezogene und es fällt hier viel leichter, sich einzugliedern.

Ein weiterer Vorteil: Es ist Europa. Das bringt unheimlich viel Sicherheit mit sich. Geografisch liegt die Insel in Afrika, daher haben wir so gutes Wetter und Teneriffa ist einfach ein schöner Ort.

Was sind deine drei Lieblingsorte auf Teneriffa?

Bajamar, Punta del Hidalgo und der Teide

Vermisst du etwas auf Teneriffa?

Auf La Gomera habe ich einiges vermisst. Als ich nach Teneriffa gezogen bin, war ich zu Beginn auf allen Konzerten, im Theater und im Kino – denn all das gab es auf La Gomera nicht. Auf Teneriffa vermisse ich momentan nichts. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich viel verreise. Zwei Mal im Jahr bin ich länger weg – ich war auf Bali, in Australien, Indien. Diese Reisen brauche ich. Aber das hier ist mein Zuhause.

Was war dein größtes Ziel, das du je erreicht hast?

Mir kamen direkt meine Kinder in den Kopf. Daneben ist vielleicht das Auswandern das, was mein Leben am meisten verändert hat. Das habe ich wirklich nie, nie, nie bereut. Eher kommen mir die Gedanken: Wenn ich das nicht gemacht hätte, was wäre da wohl gewesen?

Was kannst du angehenden Auswanderern mitgeben?

Zuerst mal: Wenn man vor etwas fliehen will, man beispielsweise Probleme in Deutschland hat und daher nach Teneriffa kommt, funktioniert das nicht. Die Probleme kommen mit. Es ist aber ein Neuanfang. Wenn man aus einer gewohnten Umgebung raus geht, kann man die Dinge anders machen. Der Abstand – vielleicht auch zur Familie – kann helfen, sein eigenes Leben zu leben.

Auch Ängste sind vor einem so großen Schritt ganz normal. Vor allem, wenn ich etwas total Neues tue. Die Frage ist, wie gehe ich mit der Angst um? Lasse ich mich und mein Leben von der Angst leiten oder springe ich über meinen Schatten und riskiere etwas? Wofür leben wir? Dafür, dass wir unseren Job machen, Geld verdienen und praktisch überleben? Oder dass wir wirklich Erfahrungen machen. Abenteuer erleben. Wie fühlst du dich, wenn du etwas Neues gemacht hast? Gibt es nicht unglaublich viel Energie, Neues zu tun?

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