Auswanderer vorgestellt

El Hierro: Leben im Naturparadies

Deutsche auf El Hierro: Auswanderin Daniela

Die Liebe zur Natur und die Lust auf das Unbekannte verschlug Daniela auf die kleinste und westlichste Insel der Kanaren. Seit November 2017 wohnt die 31-JĂ€hrige mit ihrem Mann Flo dort. In der Serie “Auswanderer vorgestellt” berichtet sie ĂŒber das Leben auf El Hierro, ihre Lieblingsorte und warum sie das Naturparadies schweren Herzen wieder verlassen wird. 

Wieso lebt ihr ausgerechnet auf El Hierro?

Mein Mann und ich haben im Sommer 2015 unsere Zelte in Leipzig abgebrochen, um auf Weltreise zu gehen. Wir wollten mit so wenig Geld wie möglich um die Welt reisen. Im ersten Jahr sind wir in den Iran getrampt. Im zweiten Jahr waren wir in Asien unterwegs, wo wir  begonnen haben ortsunabhĂ€ngig zu arbeiten. Die Idee dazu ist uns in Armenien gekommen. Wir haben bei einem Couchsurfer gewohnt, der als Englischlehrer nur online gearbeitet hat. Das hat uns sehr inspiriert und wir lasen im Internet viel ĂŒber das ortsunabhĂ€ngige Arbeitsmodell. Geld verdienen und weiter reisen zu können – das wollten wir ausprobieren. Wir kauften uns Laptops und haben in Asien gelebt und gearbeitet. Dort war das Leben zwar sehr schön, es gab eine große digitale Nomaden Community, aber wir hatten das GefĂŒhl, uns dort langfristig nicht wirklich heimisch fĂŒhlen zu können. Alle zwei Monate ein neues Visum zu beantragen oder zu verlĂ€ngern hat uns unruhig gemacht. Wir wollten wieder nĂ€her bei unseren Freunden und der Familie sein. Anstatt viel zu reisen, wollten wir irgendwo Wurzeln schlagen. Es sollte zurĂŒck nach Europa gehen. Wir suchten einen Ort, an dem es auch im Winter warm ist. Da wir gerne in ein spanischsprachiges Land wollten, kamen da eigentlich nur die Kanaren in Frage. Bei AirBnB habe ich nach Preisen fĂŒr UnterkĂŒnfte geschaut. El Hierro war viel gĂŒnstiger als beispielsweise Teneriffa. El Hierro hat uns gereizt, da es dort am wenigsten touristisch, ursprĂŒnglich und ruhig sein sollte. Nach den asiatischen GroßstĂ€dten hat uns die kleine Insel sehr angezogen.

Was gefÀllt euch am Leben auf El Hierro?

Die unmittelbare NĂ€he zur Natur. Egal wo du wohnst, kannst du innerhalb von fĂŒnf Minuten in der wunderschönsten Natur sein. Sie ist einfach direkt vor der HaustĂŒr, du musst dich nicht ins Auto setzen. Oder man wandert mit dem Rucksack drauf los, streift durch die WĂ€lder und schlĂ€gt sein Zelt auf. Auswandern nach El Hierro - Erfahrungen
Die Sonne scheint immer irgendwo, es ist im Winter wĂ€rmer als in Deutschland und die klare Luft tut wahnsinnig gut. Außerdem mag ich den Weitblick, den man hier hat. Von fast ĂŒberall kann man aufs Meer blicken. Dabei herrscht hier eine solche Ruhe. In unserer Wohnung hören wir einfach nichts, außer ab und zu die HĂ€hne und Hunde. Manchmal fĂ€hrt ein Auto vorbei, das war’s.

Was sind deine drei Lieblingsorte auf El Hierro?

Egal fĂŒr was du dich auf El Hierro entscheidest, du wirst mit keinem Ort falsch liegen. Drei davon haben es mir jedoch besonders angetan. Ich liebe den Kiefernwald rund um den Zeltplatz Hoya de Morcillo oberhalb El Pinars. Nach einer stressigen Woche am Laptop, kann ich hier am besten entspannen.

Zelten auf El Hierro

Wenn ĂŒber der ganzen Insel eine Regenwolke hĂ€ngt, fahren wir am liebsten zur Badestelle TacĂłron im SĂŒden der Insel. Meist erreichen die Wolken dieses kleine Paradies zwischen Vulkangesteinen nĂ€mlich nicht. In letzter Zeit gehen wir auch oft in das Restaurant Sunset la Maceta, welches direkt am Meer und der gleichnamigen Badestelle La Maceta liegt, und beobachten bei leckerem Essen den Sonnenuntergang ĂŒber dem Meer.

Womit arbeitet ihr ortsunabhÀngig?

Mein Mann Flo hat Mathe und Musik auf Lehramt studiert und gibt online Nachhilfe. Den Kontakt zu SchĂŒlern und Studenten hat er ĂŒber verschiedene Plattformen aufgebaut und unterrichtet per Videokonferenz und Screen Sharing. Vor allem seine Mathe-PrĂŒfungsvorbereitungen sind sehr gefragt.

Ich bin freie Texterin und Übersetzerin und arbeite außerdem im Online-Kundenservice. Ich arbeite hauptsĂ€chlich fĂŒr eine estnische Firma mit deutschen und internationalen Kunden, die eine zweisprachige Website hat. DafĂŒr schreibe ich deutsche und englische Texte.

Wie ist die Infrastruktur auf El Hierro?

Unser Internet ist sehr schnell. In den grĂ¶ĂŸeren Orten kann man sich Fiberglas legen lassen. Auch die mobile Datenverbindung funktioniert ziemlich gut. Sie ist sogar besser als in Deutschland. Ein Coworking-Space gibt es auf El Hierro leider nicht.

Es gibt öffentliche, gĂŒnstige Busse auf der Insel, jedoch nicht wirklich viele. Von Valverde, der Hauptstadt, fahren die meisten Busse ab. Ein eigenes Auto ist schon angenehmer, da die Busse eben nicht sehr oft fahren. Oder man wandert. Die Insel ist so klein, dass man an einem Tag von der einen auf die andere Seite wandern kann.

Wie kommt man von El Hierro nach Deutschland?

Direktverbindungen nach Deutschland oder aufs spanische Festland gibt es nicht. Man muss nach Teneriffa oder Gran Canaria fliegen, um von dort in den Flieger nach Deutschland zu steigen. Meist gehen dabei zwei Tage drauf, da man den Anschluss auf den anderen Insel kaum bekommt. Wir nehmen meistens die FĂ€hre von El Hierro nach Teneriffa, ĂŒbernachten eine Nacht im SĂŒden Teneriffas uns fliegen am nĂ€chsten Tag vom SĂŒd-Flughafen nach Deutschland. Es ist ein bisschen umstĂ€ndlicher nach El Hierro zu kommen, weshalb es auf El Hierro auch so ruhig ist.

Wie hoch sind die Lebenserhaltungskosten auf El Hierro?

Die Mieten sind ziemlich gĂŒnstig. Eine Wohnung fĂŒr zwei Personen findet man schon fĂŒr 300€ bis 500€. Wer auf den lokalen MĂ€rkten einkauft, zahlt auch nicht viel. In den SupermĂ€rkten sind die Lebensmittelpreise etwas teurer als auf Teneriffa. Aber insgesamt kann man auf El Hierro wirklich gĂŒnstig leben. Du hast hier gar nicht so viele Möglichkeiten Geld auszugeben. Es gibt kein Kino, wenig kulturelles Angebot, kein wildes Nachtleben und die Natur ist kostenlos.

Leben auf El Hierro - Auswanderin Daniela berichtet ĂŒber ihre Erfahrungen.

War es leicht Kontakte zu knĂŒpfen?

Es ist leicht, hier Leute kennenzulernen. Ein guter Ort, um Kontakte zu anderen Auswanderern zu knĂŒpfen, ist der Sonntagsmarkt in Frontera. Doch auch mit Einheimischen kommt man schnell ins GesprĂ€ch. Vorausgesetzt man spricht Spanisch, denn Englisch wird hier kaum gesprochen. Es gibt auch einige Deutsche, die auf El Hierro wohnen. Man lernt die Deutschen schnell kennen, sie sind sehr nett und offen. OrtsunabhĂ€ngig Arbeitende kennen wir auf El Hierro leider nicht.

Was vermisst du auf der Insel?

Manchmal vermisse ich den Kontakt zu Gleichaltrigen. Auf El Hierro gibt es nur wenige Jobs und keine Uni, weshalb der Altersdurchschnitt sowohl bei den Zugezogenen als auch den Einheimischen eher ĂŒber unserem Alter liegt. Es wĂ€re schön, mehr Menschen in unserem Alter, vielleicht sogar auch ortsunabhĂ€ngig Arbeitende, zu kennen. Da wir die sozialen Kontakte wirklich vermissen, ĂŒberlegen wir im Moment auf eine andere kanarische Insel zu ziehen. Teneriffa steht hoch im Kurs. El Hierro zu verlassen wird sehr schwer fĂŒr mich werden. Denn jedes Mal, wenn ich hier aus der HaustĂŒr gehe, macht mich der Einblick der Natur so glĂŒcklich. El Hierro ist einfach so schön! Aber vielleicht passt eine lebendigere, jĂŒngere Insel im Moment besser zu uns.

El Hierro - das Paradies auf den Kanaren

Auf dem Blog Querfeldeingeschichten berichtet Daniela ĂŒber ihre Erlebnisse und Begegnungen wĂ€hrend ihrer Reisen und ihrer Suche nach einem neuen Zuhause auf den Kanaren. 

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12 Kommentare

  • Reply
    Jan-Marco Gessinger
    17. Juli 2018 at 22:44

    Hallo, sehr schön geschriebener Artikel. Ich ĂŒberlege auch auf die Kanaren (ggf. sogar nach El Hierro) auszuwandern. WĂŒrde mich ĂŒber Kontakt zu Daniela freuen.

    Sonnige GrĂŒĂŸe!

    • Reply
      aufdersonnenseite
      19. Juli 2018 at 20:20

      Hallo Jan, vielen Dank fĂŒr dein Lob! Ich habe es an Daniela weitergegeben. Wir melden uns bei dir. Viele GrĂŒĂŸe!

  • Reply
    Hauk Alexander
    12. Juni 2019 at 17:26

    Hallo sehr schöner detaillierter Beitrag, ich bin jetzt 38 und das mit dem auswandern. Wird bei mir noch ein bisschen dauern. Momentan bin ich in einer Fabrik tÀtig und habe hier Immobilien die ich ggf. verkaufen werde auf Teneriffa war ich schon auch toll doch die Ruhe zieht mich an deshalb vielleicht doch el hierro wie sieht es den da mit arbeit aus?

    • Reply
      aufdersonnenseite
      28. Juni 2019 at 09:51

      Hallo Hauk, vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar. El Hierro ist wunderschön, aber die Arbeitslosigkeit ist ein großes Problem dort. Viele junge Menschen verlassen die Insel, da es kaum Jobs gibt. Deutsche, die dort leben, arbeiten vorwiegend im Tourismus. Viel Erfolg auf deinem Weg und liebe GrĂŒĂŸe, Eva

  • Reply
    Frank
    9. August 2019 at 20:52

    Hallo,
    sehr guter Beitrag. Ich beabsichtige, El Hierro fĂŒr ca. 1 Monat zu erkunden.
    Vermittelt ihr auch UnterkĂŒnfte?
    GrĂŒĂŸe auf die Insel

    • Reply
      aufdersonnenseite
      14. August 2019 at 14:37

      Hallo Frank, wow – in einem Monat wirst du El Hierro gut kennenlernen. Toll, dass du dir so viel Zeit zum Entdecken der schönen Insel nimmst. UnterkĂŒnfte vermitteln wir leider nicht, ĂŒber AirBnB kannst du aber sicherlich etwas finden. Hab eine schöne Zeit und viele GrĂŒĂŸe, Eva

  • Reply
    Thomas Holle
    24. Oktober 2019 at 10:18

    Hallo, sehr netter Kommentar. Wann verlasst ihr die Insel ? Ich komme auch aus Leipzig und hĂ€tte euch gern mal besucht. Leider bin ich nicht in eurem Alter, doch beschĂ€ftige mich im Augenblick auch mit dem ortsunabhĂ€ngigen Arbeiten. Viele GrĂŒĂŸe Thomas

    • Reply
      Dany
      28. Oktober 2019 at 12:41

      Hallo lieber Thomas,

      wir sind vor gut einem Jahr von El Hierro nach Teneriffa gezogen und leben hier jetzt permanent. In Leipzig sind wir nur noch ganz selten. Melde dich gern, wenn du auf Teneriffa bist 🙂 Viel Erfolg bei deinem Vorhaben und lieben Gruß, Daniela

  • Reply
    Urlaub El Hierro
    21. Dezember 2019 at 11:33

    Toller Artikel, auch interessant fĂŒr alle, die ĂŒberlegen, eines Tages auf die Kanaren auszuwandern. Ein herrliches Fleckchen Erde, auf dem es sich gut leben lĂ€sst.

  • Reply
    Herrmann
    29. Januar 2020 at 12:35

    Ich lebe nun als deutscher 30 Jahre in dem Paradies El Hierro, fĂŒr mich sind Ihre Erlebnisbeschreibungen etwas oberflĂ€chlich. Bitte mehr Tiefe

  • Reply
    Jörg Bussmann
    9. MĂ€rz 2020 at 21:04

    Hallo zusammen, könnt ihr mir vielleicht helfen bei der suche nach einem gĂŒnstigen weg zum erwerb einer immobillie auf el hiero? liebe grĂŒĂŸe aus dem kalten und nassen deutschland.

  • Reply
    Mechtild
    27. MĂ€rz 2020 at 20:18

    Hallo Jörg,

    versuche es mal hier http://www.myhierro.com/pablo/. Das ist zwar die Adresse des TourismusbĂŒros , aber vielleicht kann geholfen werden. Mein Mann und ich waren 2015 auf El Hierro. Hatten dort ein HĂ€uschen von einer Deutschen – Frau Kamm- gemietet, die dort wohl noch immer das TourismusbĂŒro leitet. 2 sehr schöne Wochen, verbrachten wir dort, aber halt als Urlauber. Sie und noch andere Deutsche, Schweizer, Österreicher haben dort sogar ein kleines Tierheim aufgezogen, das von ihnen liebevoll betreut wird. Auch Urlauber bringen sich dort ein. Die leisten dort eine wirklich tolle Arbeit. Viele Deutsche leben auf El Hierro, obgleich es, wie Du schon gelesen hast, wenig Job Möglichkeiten gibt und wenn ja, wird der Verdienst nicht ĂŒppig sein. Frau Kamm stammt aus Husum und lebt schon lange auf El Hierro. Sie ist eine tatkrĂ€ftige Frau und macht das mit dem Tourismus ganz entspannt und sehr individuell. Sie hatte mir seinerzeit jede Menge Infos zur Anreise geschickt, das war eine wirklich tolle Betreuung und absolut eine große Erleichterung.
    Also alles in allem, es ist eine wunderschöne, abwechslungsreiche Insel, die viel zu bieten hat. Wir hatten uns verliebt in diese unglaubliche Vegetation, die NebelwĂ€lder, StrĂ€nde ĂŒbersĂ€t mit Vulkangestein. Ach ja und niemals vorher hatte ich einen Thunfisch (gegrillt) gegessen, der so einfach zubereitet war und himmlisch geschmeckt hat.
    Vielleicht helfen meine AusfĂŒhrungen ein wenig. Mir hat’s gut getan, in dieser derzeit unglaublich schwierigen Zeit, an etwas anderes denken, sich mit etwas anderem beschĂ€ftigen zu können.
    Schöne GrĂŒsse
    So, jetzt ist’s genug

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