Auswanderer vorgestellt

Vom eigenen Restaurant zur Einzelhandelskauffrau

Auswanderin Petra berichtet über ihre Erfahrungen auf Teneriffa

Auswandern nach Teneriffa: Erfahrungen von PetraAls Restaurant-Besitzerin auf Teneriffa hat Petra zwar viel, aber erfolgreich gearbeitet. Mittlerweile hat die 53-Jährige der Gastronomie den Rücken zugewandt und ist als Beraterin bei einem Outdoor-Geschäft angestellt. Dort hat sie tagtäglich mit ihrem Hobby zutun: Dem Wandern. Sie berät ihre Kundschaft mit großer Leidenschaft, welche Ausrüstung für eine Exkursion auf Teneriffa die richtige ist. Über ihre Zeit als Unternehmerin, was sich in den letzten 16 Jahren auf Teneriffa verändert hat und welche Orte sie besonders mag, verrät Petra im Interview.

Wie kam es dazu, dass du ausgewandert bist?

Mein damaliger Lebensgefährte und ich hatten wie viele den Wunsch, unsere Zelte im Süden aufzuschlagen. Ich ging zuerst für drei Monate nach Santa Cruz, wohnte in einer WG und besuchte elf Wochen einen Intensiv-Sprachkurs. Ich streckte die Fühler nach Arbeit aus. Nach dieser Zeit ging ich erst noch einmal zurück und als sich die Arbeitssituation meines Partners änderte, machten wir Nägeln mit Köpfen und organisierten den Umzug.

Ihr hattet ein Restaurant, wie war diese Zeit für dich?

Klasse und super anstrengend. Das war eine meiner wichtigsten Erfahrungen auf professioneller und persönlicher Ebene überhaupt. Wir verwandelten damals dank unserer unzerstörbaren Vision ein altes kanarisches Haus in einem Mini-Dorf im Südosten Teneriffas in ein Restaurant. Damit waren wir, bis zu unserer Trennung siebeneinhalb Jahre später, sehr erfolgreich. Alles hat seine Zeit und ich bin jetzt sehr froh, dass ich nicht mehr elf Stunden in der Küche stehen muss.

Womit verdienst du heute deinen Lebensunterhalt?

Der Gastronomie habe ich vor knapp einem Jahr den Rücken zugewandt und arbeite jetzt in einem Outdoorsport-Laden mit Wanderbekleidung und Zubehör. Da ich selbst gerne wandere und einmal im Jahr auf dem Jakobsweg unterwegs bin, hat mich die Gelegenheit, die ich mit 53 Jahren bekam, sehr gefreut. Ich arbeite in einem der drei Läden auf Teneriffa mit einem klasse Team und den besten Marken. Mit meinem Job bin ich sehr happy.

Wie hat sich Teneriffa in den letzten Jahren verändert?

Es ist viel voller geworden: Mehr Gebäude und mehr Menschen, leider. Nach dem Immobiliencrash vor ein paar Jahren hat sich die Branche wieder erholt. Aber die nächste Blase droht sich schon wieder abzuzeichnen. Immer mehr Menschen aus dem Ausland kaufen Immobilien auf Teneriffa. Nicht nur um selbst hier zu wohnen, sondern auch als Geldanlage, die zur Ferienvermietung genutzt wird. Auch Einheimische vermieten zunehmend nur noch an Urlauber, um von dem Kuchen etwas abzubekommen und um sich nicht langfristig an Mieter zu binden. Mit dramatischen Folgen: Die Einheimischen finden keine erschwinglichen Wohnungen mehr, erst recht nicht in touristischen Gegenden. Mieten in Höhe von 500 bis 600 Euro, nur für ein Studio im Süden (von El Médano bis Adeje), sind keine Seltenheit. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kostet sogar rund 750 Euro. Dabei liegt der Durchschnittslohn auf Teneriffa bei 1.000 Euro. Als Einzelperson sind diese Mieten nicht zu stemmen. Der Vorteil des Menschen- und Kulturzuwachses: Das kulinarische Angebot auf Teneriffa hat sich zu meiner Freude wesentlich erweitert.

Was schätzt du am Leben auf Teneriffa besonders?

Das Leben spielt sich viel mehr draußen ab. Berg- und Wassersport sind das ganze Jahr möglich. Wir leben hier auf einem sehr vielfältigen Mini-Kontinent. Außerdem sind die Menschen nicht so verbissen. Wobei man auch sagen muss, dass die Lässigkeit auf professioneller Ebene manchmal sehr nervig ist.

Was sind deine Lieblingsorte auf Teneriffa?

Da ich gerne dort bin, wo nicht viele Menschen sind, wär es ja nicht so schlau, wenn ich dafür Werbung mache. 😉 Aber ich verrate ein paar meiner Lieblingsorte auf Teneriffa: Las Vegas oberhalb von Chimiche ist ein lauschiger Ort. Es gibt eine schöne 3-stündige Rundwanderung dort. Oder auch die Gegend um Ifonche und Cruz de Tea mag ich sehr. Los Carrizales im Teno-Gebirge ist auch sehenswert. Ansonsten bin ich gerne in den Wäldern des Anaga-Gebiets. Ein besonderes Restaurant ist das Casa Juani, Roque Negro. Auch im Mercedes- und Esperanzawald verbringe ich gerne Zeit. Kulinarisch sind für mich La Laguna und Santa Cruz unschlagbar.

Auswanderin Petra berichtet über ihre Erfahrungen auf Teneriffa

Gibt es etwas, was du auf der Insel vermisst?

Ich glaube das einzige, was ich wirklich manchmal vermisse ist, mich ins Auto zu setzen, um einfach durch andere Länder Europas zureisen. Oder mich mal eben mit meinen Freunden in Deutschland zu treffen. Aber das war es dann auch schon. Ehrlich!

Wie hast du dir einen Freundeskreis aufgebaut?

Durch die Sprachschule und deren ehemaligen, kanarischen Betreiber hatte ich einen super Start. So habe ich auch die erste Wohnung gefunden. Da ich drei Wochen nach meiner endgültigen Ankunft glücklicherweise direkt einen Job gefunden habe, hatte ich automatisch viele Sozialkontakte. Ich habe am Anfang sehr darauf geachtet, mich nur in kanarischen Kreisen zu bewegen und so habe ich schnell Spanisch gelernt. Zwei Jahre später ging es für viele Jahre in die Gastronomie und dort mangelte es nicht an Begegnungen, aus denen die ein oder andere Freundschaft entstanden ist.

Wie sind deine Zukunftspläne: Wirst du auf der Insel bleiben?

Man weiß ja nie, wie das Leben so spielt. Aber mich zieht nichts nach Deutschland. Mein jetziger Mann ist Canario und falls es uns nicht noch einfällt, woandershin „auszuwandern“ (es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt!), denke ich, dass wir zumindest auf den Kanaren bleiben werden.

Was kannst du angehenden Auswanderern mitgeben?

  • Unbedingt vorher für die ersten sechs bis zwölf Monate ein finanzielles Polster anlegen.
  • Wer sich integrieren und sich nicht auf die deutschsprachige Gemeinde beschränken will, sollte direkt mit einem Spanisch-Kurs beginnen und deutsche Unterhaltung jeglicher Art auf das Nötigste beschränken.
  • Es hat hier niemand auf uns gewartet. Seid euch bewusst, dass man beruflich in der Regel fast bei Null anfängt. Es interessiert keinen, was du schon für eine Karriere in Deutschland gemacht hast (kommt natürlich auch auf deinen Beruf an). Ich habe mit 37 Jahren in den ersten sechs Monaten Probezeit ca. 600 Euro verdient. Manchmal muss man einfach die Faust in der Tasche machen und an das Ziel denken, das man sich gesetzt hat: Fuß zu fassen und sich einzugliedern, um so akzeptiert zu werden.
  • Schärfe deine Sinne, beobachte und höre zu. Lerne von den Einheimischen. Respektiere, was anders ist. Sei offen, knüpfe Kontakte. Besserwisser kommen nicht weit. Ein bisschen Bescheidenheit öffnet manchmal viel mehr Türen. Aber ich denke, das gilt weltweit.

Ähnliche Artikel

Keine Kommentare

    Schreibe einen Kommentar

    *