Auswanderer vorgestellt

Tourguide & NGO-Gründerin Tanja

Tanja als Auswanderin auf Teneriffa

Als Studentin kam Tanja nach Teneriffa. Heute lebt die 28-Jährige im Küstenort Bajamar, arbeitet als selbstständiger Tourguide auf Teneriffa und engagiert sich im Naturschutz.

Warum bist du damals nach Teneriffa gekommen?

Mein Freund Javier stammt aus Teneriffa. Wir haben uns in Nicaragua kennengelernt, hatten eineinhalb Jahre eine Fernbeziehung bis wir zusammen nach Teneriffa gezogen sind. Es war erst eine unreife Idee im Kopf, die wir dann einfach umgesetzt haben. Wir wollten gemeinsam eine Organisation (NGO) gründen.

War es ein großer Schritt für dich nach Teneriffa für unbestimmte Zeit zu gehen?

Nein, eigentlich nicht. Rückgängig machen kann man sowas ja immer – zumindest habe ich mir das damals gedacht. Wenn es nicht klappt, dann wäre ich halt wieder zurückgegangen. Ich habe mir gar nicht so viele Gedanken gemacht.

Was war deine größte Herausforderung beim Auswandern nach Teneriffa?

Mich an das System in Spanien zu gewöhnen war schon eine Herausforderung. Was die Sozial- und Krankenversicherung angeht, habe ich lange gebraucht mich an die Rahmenbedingungen zu gewöhnen. Du kannst auf Teneriffa nicht einfach zum Arzt deiner Wahl gehen, sondern bekommst einen zugewiesen. Und das kann dauern. Außerdem bekommst du bei weitem nicht die gleichen Leistungen wie in Deutschland. Vieles musst du selbst zahlen. Mittlerweile habe ich meinen Weg gefunden. Ich bezahle viele Arztbesuche privat, umgehe so lange Wartezeiten und kann selbst wählen, zu wem ich gehe.

Wie hast du die Zeit in Deutschland vorm Auswandern erlebt?

Für mich war das eine schwierige Zeit. Ich fragte mich: Wo will ich hin? Was will ich beruflich machen? Ich war im Masterstudium und finanziell abhängig von meinen Eltern. Nicht zu wissen, was ich nach dem Studium machen soll, hat mich in einen ziemlich aufgelösten und traurigen Zustand versetzt. Ich wusste nicht, was ich hätte in Deutschland machen sollen. Doch wird es auf Teneriffa besser? Irgendwann entschied ich: Augen zu und durch. Du machst das jetzt einfach.

Also bist du als Studentin nach Teneriffa gekommen?

Ja, denn mein Masterstudium war ein Fernstudium. Studieren konnte ich dank der Onlinekurse und Skype auch von Teneriffa aus.

Wie finanzierst du dein Leben auf Teneriffa?

Als ich noch Studentin war, haben mich meine Eltern finanziell unterstützt. Zwischendurch hatte ich kleine Jobs als Englisch- und Deutschlehrerin. Außerdem gründete ich mit meinem Freund die Organisation Desaplatánate. Damit wollen wir das Umweltbewusstsein auf Teneriffa stärken und Menschen in Kontakt mit der Natur und Kultur bringen.Auswanderin Tanja arbeitet nicht nur als Tourguide auf Teneriffa, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich.

Wir entschieden Wanderungen anzubieten. Jedoch braucht man auf Teneriffa eine Tourguide-Lizenz, um Gruppen führen zu dürfen. Daher haben wir das Examen zum offiziellen Tourguide der kanarische Inseln gemacht. In der Vorbereitungsphase lernte ich sehr viel über die Insel, die Umwelt und die Pflanzen. Das hat mich fasziniert. Mit diesem Tourguide-Schein in der Tasche erhielt ich das erste Jobangebot noch bevor ich meinen Studium beendet hatte. Eine Agentur für die astronomischen Führungen auf dem Teide engagierte mich.

Da ich viele Sprachen spreche, muss ich Jobs als Tourguide kaum suchen.

Gerade deutsch- und französischsprachige Tourguides sind sehr gefragt. Außerdem kommen immer mehr Touristen nach Teneriffa, weil es ein sehr sicheres Reiseland mit bestem Wetter auch im Winter ist. Dieser Zuwachs im Tourismussektor bringt viel Arbeit mit sich.Tanja arbeitet auf Teneriffa als Tourguide

Hat dein Job als Tourguide auf Teneriffa auch Nachteile?

Der Massentourismus bringt zwar für mich persönlich Vorteile mit sich, ist aber für Land und Leute kein nachhaltiges Geschäftsmodel, denn die Kultur des Landes geht meistens völlig verloren und die Umwelt leidet zugunsten des Profits. Daher haben mein Freund Javier und ich ein eigenes Projekt gegründet, das einen umweltverträglicheren Tourismus unterstützt. Wir arbeiten mit kleinen Gruppen und haben den Anspruch unsere ökologische Einwirkung möglichst gering zu halten. Gleichzeitig liegt uns am Herzen, die ökonomische Umverteilung zu verbessern. Das heißt, die Einheimischen sollen finanziell mehr vom Tourismus profitieren. Im Moment arbeiten wir vor allem mit kleinen Reiseunternehmen aus Deutschland, die die gleiche Philosophie haben wie wir.Tanja arbeitet als Auswanderin auf Teneriffa als Tourguide.

Die Nachteile eines Tourguides liegen in den Arbeitszeiten. Ich arbeite sowohl am Wochenende, als auch nachts. Einen klassischen 8-Stunden-Tag gibt es kaum. Touren können schon mal 14 Stunden dauern. Du musst selbstständig sein, denn in dem Gebiet gibt es kaum Festanstellungen. Die Sozialversicherung und Altersvorsoge für mich als Selbstständige ist nicht so gut wie in Deutschland. Man sollte über eine private Altersvorsorge nachdenken und bereit sein, Arztbesuche auch mal selbst zu zahlen.

Wie schätzt du die Lebenserhaltungskosten ein?

Die Lebenserhaltungskosten auf Teneriffa sind niedriger als in Deutschland – vor allem was Lebensmittel und Bar-Besuche angeht. Was extrem in die Höhe geschossen ist sind die Mieten. Gute Wohnungen sind wirklich teuer geworden.

Was hat dir dabei geholfen Kontakte zu knüpfen?

Durch die Arbeit mit unserer Naturschutzorganisation habe ich viele Kontakte geknüpft. Ich mache viel Sport und bin in Sportvereinen, auch dadurch habe ich Freunde gefunden. Und  dann ist da noch die Familie von meinem Freund. Ich bin sehr gerne dort.Auswanderin Tanja arbeitet als Tourguide auf Teneriffa und engagiert sich ehrenamtlich stark im Naturschutz.

Was war dein schönstes Erlebnis in 2017?

Eigentlich der Besuch Zuhause. Wenn ich nach Hause komme, nehme ich das heute ganz anders wahr. Mein Zuhause wird zu etwas Ideellem. In der Ferne vermisst du das, was du kennst, deine Familie und deine Freunde.

Was sind deine drei Lieblingsorte auf Teneriffa?

El Teide – da bin ich beruflich ja ständig. Die Touristen sagen immer „Du hast den tollsten Job der Welt“ – ja, ich würde da auch nicht groß widersprechen. Denn der Teide ist immer anders: Das Licht verändert sich, das Wetter wechselt. Im Frühling hast du die Blüten, im Winter den Schnee.El Teide - eines der Highlights auf Teneriffa für Auswanderin Tanja

Als zweiter Ort fällt mir Benijo ein. Ein schwarzer Sandstrand fernab von den Touristenmassen. Wenn du da bei Sonnenuntergang ein Bierchen am Strand trinkst, hast du so ein Gefühl von Frieden und Freiheit. Der dritte Ort ist Mesa de Tejina, dort hat man einen tollen Ausblick auf die Küste und den Teide.

Was macht Teneriffa für dich zu einem lebenswerten Ort?

Vor allem die Natur und die Vielfältigkeit der Insel. Aber auch die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten, die mir geboten werden.

Gibt es etwas, was dich auf Teneriffa stört?

Das fehlende Bewusstsein für den Umweltschutz. Während meiner Arbeit im Umweltschutz waren schon einige frustrierende Momente dabei. Die Politik macht nicht wirklich was. Es werden keine ernsthaften, langfristigen Maßnahmen ergriffen, um Naturschutz zu betreiben oder Arbeitslosigkeit nachhaltig zu verringern. Korruption ist auch ein Problem. Tourismus steht immer an erster Stelle. Hotels werden achtlos an Naturschutzgebiete gebaut.

Was ist dein Ziel für 2018?

Ziele habe ich viele. Kurse belegen, mein Wissen erweitern, meine Sprachen auffrischen und sonst: Mich wohlfühlen und so weiterleben wie ich es bisher konnte.

Was möchtest du angehenden Auswanderern mitgeben?

In meiner Krise vor Teneriffa hat mir ein Bekannter gesagt:

Mach einfach das, was dir Spaß macht, dann wirst du deinen Weg schon finden!

Das hat 100%-ig so funktioniert. Manchmal sollte man nicht zu lange über Dinge nachdenken. Wenn du zu viel analysierst, bist du hinterher auch keinen Schritt weiter. Wenn dich etwas ruft, dann mach es einfach.

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